Indie-RPGs und der Mainstream neu interpretiert

Auf dem Boden von Vernunft und Evolution

WidderschädelDogs in CERNs Backyard ist ein postapokalyptisches pseudoreligiöses low-tech Steampunk-Setting für Dogs in the Vineyard.

Deine Aufgabe als Evolutionswächter ist von nahezu unendlicher Wichtigkeit. Das Schicksal der restlichen Menschheit muss geschützt werden. Der Zweck heiligt die Mittel, es gibt keine andere Autorität, die über Euch richten würde. Jeder ist sich dessen bewusst, niemand kann es ignorieren, jeder beugt sich den Anweisungen der Evolutionswächter. Jedenfalls war es einmal so. Doch die Menschen sind verängstigt, sie haben den Glauben an die Wissenschaft verloren und wenden sich Götzen zu, Göttern, Heiligen, Geistern. Sie bestehen auf biblischen Traditionen, gefährden die Evolution. Ihr Einfluss ist verborgen, subtil, langsam drängen sie sich in die Reihen der Evolutionstreuen. Sie bringen die Ordnung durcheinander, kämpfen gegen den Status Quo.

Der Large Hadron Collider war eine technische und wissenschaftliche Meisterleistung. Die Möglichkeiten für die Forscher schienen unbegrenzt zu sein, die panischen Stimmen bezügliche der Gefahr von „Schwarzen Mini-Löchern“ und „Seltsamer Materie“ konnten rasch zum Verstummen gebracht werden. Vielleicht hätten wir doch lieber auf sie hören sollen… Letztendlich weiß niemand mehr genau, ob es nun die schwarzen Löcher oder die seltsame Materie war, aber die Folgen waren dramatisch und subtil zugleich. Niemand bemerkte die Strahlung – wie sollte man auch, war sie doch jeglichen Detektionsmechanismen gegenüber verborgen – aber die Folgen wurden rasch deutlich. Innerhalb weniger Wochen starben immer mehr Menschen in der Nähe von CERN an unerklärlichen Autoimmunerkrankungen. Die Epidemiologen konnten rasch immer größere konzentrische Kreise um den Beschleunigerring ziehen. Irgendwann kam dann das große Chaos: sämtlichen elektrischen und elektronischen Geräte hörten auf zu funktionieren. Es war, als hätten sich die Naturgesetze plötzlich geändert. Egal was auch versucht wurde,  es begann die Zeit ohne Strom. Nur in der nähe erzhaltiger Berge fanden die Erkrankten Linderung und nur dort kamen gesunde Kinder zur Welt. Wir zogen uns auf die Berge zurück, kehrten nur in die Täler und Städte zurück, um Nachschub zu holen. Nachschub an Medikamenten, Nahrungsmitteln, mechanischen Teilen. Unsere Gesellschaft entwickelte sich im Schutz der Berge rasch und erschloss sich die längst vergessene Kunst der Mechanik und Dampfkraft wieder. Doch gibt es keine Fabriken, jedes Einzelteil einer Maschine ist ein handwerklich hergestelltes Einzelstück, Zahnräder laufen unrund und die Funktion eines neuen Werks ist immer ungewiss und unzuverlässig.

Die verlorene Zivilisation

Viele haben sich schon gefragt, was wohl jenseits der Berge sein möge, ob nicht weit entfernt vom CERN die Menschen der Katastrophe entgehen konnten. Wenige haben sich auf den Weg gemacht, mit fester Rüstung und guten Waffen, mit Proviant und den stärksten Reittieren sind sie ausgezogen um nach den Resten einer fast vergessenen Welt zu suchen. Doch keiner kehrte je zurück. Entweder haben sie ihr Paradies der Zivilisation gefunden und sind dort geblieben, oder sie sind auf dem Weg dorthin zu Tode gekommen.

Über das Leben

Gesellschaft

Die Menschheit lebt in größeren Gruppen von etwa 250 Personen zusammen. Mit erreichen der Pubertät werden die Kinder in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen, beschenkt und dann auf die Reise in eine andere Siedlung geschickt, um die Verbreitung des Genmaterials zu ermöglichen. Bis zum Einsetzten der ersten körperlichen Gebrechen ziehen sie dann umher, so dass die Siedlungsgemeinschaft zu einem Großteil nur einen Sommer lang bleibt. Dauerhaft verweilen nur die Alten und die Kinder, die direkt nach dem Abstillen der Obhut der Senioren überlassen werden und ihre Eltern nicht auf deren Reise begleiten. Fortpflanzung ist keine Privatsache, es dient dem Gemeinwohl und so gibt es auch keine festen Beziehungen. Promiskuität ist gewünscht und wird erwartet. Innerhalb der Siedlung gibt es keine festen Hierarchien, alle wichtigen Entscheidungen werden vom Kollektiv gefällt. Die einzige Ausnahme stellen die Evolutionswächter dar, die uneingeschränkte Autorität genießen.  Alle fünf Jahre senden die Gruppen jeweils einen ausgewählten Vertreter zum großen Treffen auf dem Weißhorn, mit guter Sicht auf das CERN-Gelände wird dort diskutiert, der grundlegende Kurs für die nächsten Jahre besprochen. Und es werden die neuen Evolutionswächter gewählt, die von da an für fünf Jahre diesen schweren und verantwortungsvollen Posten innehaben werden.

Menschen außerhalb des Kollektivs

Es gibt generell zwei verschiedene Personengruppen, die außerhalb der Gesellschaft stehen. Auf der einen Seite sind die Gottesfürchtigen, arme verblendeten Seelen, die sich in ihrer Angst an nicht existente übermenschliche Mächte gewendet haben und deren Gnade erflehen, statt ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Dabei verehren sie die unterschiedlichsten Gottheiten, von abstrakten Einzelgöttern bis hin zu Tiertotems ist alles vertreten. Es ist schwer aber möglich, einen Gottesfürchtigen zu bekehren und ihn die die Gesellschaft zu führen. Für die andere Gruppe besteht diese Hoffnung nicht mehr, sie sind die Wilden, die Ausgestoßenen. Einbst waren sie Teil des Kollektivs, doch dann haben sie Verbrechen begangen, die in ihrem Ausschluß endeten. Durch die Dogs gerichtet und mit einem Brandmal auf der Stirn versehen müssen sie sich allein durchschlagen. Oft rotten sie sich zu kleineren Gruppen zusammen, um ihr Schicksal besser ertragen zu können, doch haben sie sich schon vorher als nicht tauglich für das friedliche Zusammenleben gezeigt.  Sie sind mit Vorsicht zu behandeln, denn ein Menschenleben ist ihnen nichts wert!

Siedlungen

In einer durchschnittlichen Siedlung finden normalerweise:

  • viele Jäger und Sammler
  • viele Bergleute
  • einige Ziegenzüchter
  • ein Gerber
  • ein Schneider
  • ein Köhler
  • mehrere Schmiede / Mechaniker
  • einen Lehrer / Chronisten
  • eine Hebamme
  • ein zentrales Schlafhaus für alle Bewohner
  • eine Schmiede mit mehreren Arbeitsplätzen
  • ein Mehrzweckgebäude
  • mehrere Bergwerksstollen in der Nähe

In größeren Siedlungen gibt es manchmal zusätzlich:

  • einen Pharmazeuten / Arzt
  • eine Töpferei
  • eine Glasbläserei
  • einen Fischer

Nahrung, Kleidung, Werkzeuge und Fortbewegung

ZahnräderDie Hauptnahrung der Menschheit ist tierisches Fleisch jeder Art. Unbeeindruckt durch die Ereignisse der CERN-Katastrophe haben sich die Tierpopulationen in den vom Menschen verlassenen Lebensräumen dramatisch vermehrt, während die auf weniger als ein Hundertstel reduzierten Menschen angesichts des Überangebots an verwilderten Tieren die Zuchthaltung zur Nahrungsmittelgewinnung komplett aufgegeben haben. Ackerbau ist auf den sicheren Hochalmen nur begrenzt möglich, so dass Landwirtschaft ein gefährliches Unternehmen ist und Getreideprodukte Luxusware sind. Pflanzliche Nahrung besteht hauptsächlich aus gesammelten Flechten, Beeren, Pilzen, Wurzeln und wild wachsenden Gräsern.

Die Mode der Zeit ist hauptsächlich zweckmäßig. Geschlechtsunabhängig werden über je nach Klima langer oder kurzer Unterwäsche meist overallartige Anzüge aus Wolle oder Leinen getragen, die an den Belastungsstellen mit Leder verstärkt sind und im Winter durch Fellstücke ergänzt werden. Dabei ist Zierwerk nur dann akzeptabel, wenn es eine Funktion erfüllt und gilt in anderen Fällen als Verschwendung und damit als schwere Sünde. Für Aufenthalte außerhalb der schützenden Berge werden schwere Ledermäntel, die mit eingenähten Erzbrocken verstärkt sind getragen, in denen jede Bewegung zu einer Anstrengung wird.

Die verwendeten Werkzeuge sind eine bunte Mischung aus archaisch anmutenden Improvisationen und hochkomplexen mechanischen Gerätschaften. Das übliche Fortbewegungsmittel in den Bergen sind dressierte Steinbockmännchen, die auch als Lastentiere eingesetzt werden können und mit den steilen Hängen keine Probleme haben.

Waffen

Waffen sind in der Welt von CERNs Backyard verbreitet, doch sind sie für den Einsatz gegen Tiere optimiert. Feuerwaffen existieren nicht, auch wenn sie technisch möglich wären. Die Funktion der Schusswaffen wird in dieser Welt von kleinen Handarmbrüsten übernommen, die aus solidem Metall gefertigt sind und mit den Furcht einflößenden Bolzen selbst einen ausgewachsenen Bären mit einem sauberen Schuß niederstrecken können.

Landschaft

AlmromantikDie schützenden Berge sind mit ihren idyllischen Hochalmen ein Paradies im Sommer, wenn die Bergseen mit frischem und sauberen Wasser wie Kristallspiegel aussehen. Doch die Winter sind unbarmherzig und hart, der üppige Schneefall macht die Pässe unnutzbar und eisige Stürme fegen in die Hütten der hungrigen Menschen. Die Täler bieten ein merkwürdiges Bild, dort stehen die Ruinen der Städte still und verlassen, die meisten Gebäude intakt aber menschenleer, nur von Zeit zu Zeit durch die in dicke Kleidung gewickelte und keuchende Plündertrupps wird der Frieden gestört.

Die Evolutionslogik

Das was den Menschen Hoffnung und Trost spendet ist das Wissen um die Möglichkeiten der Evolution und der Errungenschaften des menschlichen Intellekts. Irgendwann wird sich entweder eine technische Lösung zum Schutz vor der Strahlung finden oder der Mensch wird sich anpassen und eine gewisse Resistenz entwickeln.Die Regeln des Zusammenlebens sind pragmatisch und einleuchtend, aber die Akzeptanz und Umsetzung widerspricht jahrhunderte alten Traditionen.

Die Sünden

1. Gewalt: Die Anwendung von körperlicher Gewalt ist nur akzeptabel, wenn dabei kein bleibender Schaden innerhalb der menschlichen Gesellschaft entsteht.

2. Eifersucht und Lustlosigkeit: Es ist ein schweres Vergehen, die Proliferation des Genpools zu verhindern. Die Möglichkeit zum Austausch wertvoller Gene nicht wahrzunehmen oder zu verhindern!

4. Zwietracht: Nur die Kombination aller verfügbaren Ressourcen, seien es Rohstoffe, Nahrungsmittel, Medikamente oder Wissen, gewährleistet das Überleben und die Weiterentwicklung der menschlichen Rasse. Das Kollektiv entscheidet über die Verwendung des gemeinsamen Besitzes!

5. Theologie: Irrglaube verwirrt den Geist, behindert das logische Denken und schränkt die Kreativität ein. Es gibt keinen Gott, kein höheres Wesen, das uns leitet. Es gibt nur unseren eigene Geist, den wir ehren sollten.

6. Abtrünnigkeit: Die Abwendung von den menschlichen Idealen, der menschlichen Gesellschaft, der Vernunft und Logik, ist der Weg ins Verderben nicht nur für den Abtrünnigen, sondern für die gesamte Menschheit!

7. Verschwendung – ob durch Vorsatz oder Unachtsamkeit – ist in Zeiten des Mangels nicht akzeptabel.

8. Resignation: Nur durch stetiges Streben nach Verbesserung, durch den täglichen Kampf gegen die Hindernisse auf dem Weg der Evolution, qualifiziert man sich als Mensch. Auch wenn die eigene Lage hoffnungslos sein mag, kann man immer noch etwas zum Kollektiv beitragen. Die Resignation ist die schlimmste aller Sünden!

Regelanpassungen

Siedlungen erschaffen

Das Erschaffen der Siedlungen geschieht analog zu den Towns im Originalregelwerk. Als Aufhänger dienen aber:

Angst und Furcht führt zu Zweifeln, Sünde,  Abfall von der Logik und Evolutionslehre, Irrglaube und Rückschritten, Gewalt gegen Leib und Leben

Zeremonie, Besessene, Zauberer, Dämonen und dämonischer Einfluss

Die regeltechnischen Aspekte für Besessene und Zauberer werden als Mutation benutzt. Seltsame Launen der Evolution, nichts weiter als das. Dämonen gibt es nicht, wohl aber der Hang des Menschen zur Resignation und Hoffnungslosigkeit, die Regeln für den dämonischen Einfluß werden also als Resignationsfolgen verwendet. Zeremonie fällt komplett weg, es ist also um einiges schwerer, sich gegen Mutanten zur Wehr zu setzen.

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Kommentare zu: "Dogs in the Vineyard 1/12 : Dogs in CERNs Backyard" (1)

  1. […] Dogs in the Vineyard 1/12 : Dogs in CERNs Backyard […]

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