Indie-RPGs und der Mainstream neu interpretiert

Saron

Eingefasst von hohen Bergen liegt die kleine Stadt Saron. Kalte Winter mit starken Schneefällen schneiden sie Jahr für Jahr von der Außenwelt ab, und so hat sich die Gemeinschaft aufeinander eingestellt. Man kennt und vertraut sich. Fremde werden mit Skepsis bedacht, können aber schnell in die Gemeinschaft hineinwachsen. Die meisten Einwohner sind Farmer, es gibt seit neustem einen Schneider. Auf einem benachbarten Hochplateau hat ein friedliebender Indianerstamm seine Lager schon seit mehreren Jahrzehnten aufgeschlagen.

Aber Saron hat auch dunkle Seiten…

Townspeople

  • Bruder Ezekiel, Steward. Ezekiel ist Mitte 50ig, aber die Arbeit unter der Sonne hat seine Haut gegerbt und tiefe Falten hinterlassen. Von seinem athletischen Körperbau ist nicht viel übrig geblieben, und seine Kondition ist in den letzten Jahren so schlecht geworden, dass er kaum noch die Predigt in einem Zug sprechen kann.
  • Bruder Josiah, Halbindianer. Josiah ist Anfang zwanzig, seine indianische Herkunft zeigt sich in seinen langen, schwarzen Haaren, den dunklen Augen und seiner überdurchschnittlichen Körpergröße, ist sonst aber eher dezent. Erst vor zwei Jahren erschien er wie aus dem Nichts in der Stadt, machte sich aber schnell einen Ruf als zuverlässiger und guter Schneider. Er verlebte seine Jugend bei dem Indianerstamm in den Bergen. Sein Charme betört die unverheirateten wie verheirateten Frauen der Stadt, und nach und nach kippt die Stimmung gegen ihn. Er ist das verheimlichte Kind des Häuptlings Red Hawk und der Hebamme Schwester Dahlia.
  • Red Hawk In-Nah, Indianerhäuptling des nahegelegenen Stammes. Red Hawk ist Mitte dreißig Jahre alt, dünn und drahtig. Eine lange, gebogene Nase und die eng stehenden, stechenden Augen lassen ihn dem Raubvogel wirklich ähnlich sehen.
  • Schwester Dahlia , Hebamme. Obwohl sie erst vierzig Jahre alt ist, hat sie ihr Lächeln schon längst verloren. Ihre ehemals strahlenden Augen sind trüb geworden, das lange Haar struppig und stumpf. Auch ihr sonniges Gemüt ist längst einer starren Bitterkeit gewichen. Sie konnte ihrem Mann, dem Steward Ezekiel keine Kinder schenken.
  • Schwester Honora, zweite Frau des Stewards. Gerade erst volljährig geworden, ehelichte der Steward die dralle, ewig mit rotem Kopf herumlaufende Honora. Doch auch ihr gebärfreudiges Becken schenkte ihm bislang keinen Nachwuchs.  Sie genießt die Aufmerksamkeit Ezekiels und nutzt jede Gelegenheit, um Dahlia in schlechtem Licht erscheinen zu lassen.

Es ist etwas falsch in Saron

Pride

  • Steward Bruder Ezekiel ist zu stolz einzugestehen, dass er keine Kinder zeugen kann.
  • Hebamme Schwester Dahlia ist zu stolz einzusehen, dass sie keine legitimen Kinder haben wird.
  • Schwester Honora ist sich sicher Ezekiel ein Kind schenken zu können, und sei es nur um Schwester Dahlia zu demütigen.
  • Bruder Josiah ist zu stolz um zu verstehen, dass nur die Ehe Gottes Legitimation für eine Beziehung ist.

Injustice

  • Steward Bruder Ezekiel zweifelt an den Wegen des Königs des Lebens und hadert mit seinem Schicksal
  • Hebamme Schwester Dahlia erfüllt ihre Aufgabe als Hebamme nicht zum Wohle der Kinder.
  • Bruder Josiah sieht es als sein Recht an, mehrere Frauen zu haben ohne sie heiraten zu wollen.

Sin

  • Faithlessness, Blasphemy: Steward Bruder Ezekiel sucht eine Heilung für seine Unfruchtbarkeit bei dem Häuptling der Mountain People
  • Violence, Deceit: Hebamme Schwester Dahlia hat eine Liebesbeziehung zu dem Häuptling der Indianer für wenige Sommer unterhalten. Sie hat heimlich ein Kind geboren und es bei den Indianern versteckt. Erst danach heiratete sie den Steward Ezekiel. Um ihr Geheimnis zu wahren hat sie gemordet und wird es wieder tun.
  • Sex: Bruder Josiah hat gedankelos mehrere Frauen und Töchter der Farmer der Stadt betört und zu einmaligen Liebesabenteuern verführt. Er hat insgesamt vier Frauen geschwängert.

Demonic Attacks

  • Die Dämonen erweichen Red Hawk dem Steward zu helfen. Doch die Medizin hat noch nicht die erwünschte Wirkung.Aber der Steward gerät immer mehr in eine Abhängigkeit von dem Indianerhäuptling.
  • Schwester Dahlias Angst vor Entdeckung ihrer Untreue wird von den Dämonen bis hin zur Paranoia verstärkt. Sie verliert jeden Bezug zur Realität und handelt ohne an die Konsequenzen zu denken.
  • Bruder Josiah wird von den Dämonen mit übermenschlicher Zeugungskraft versehen. Jedes seiner Liebesabenteuer hinterlässt ein Kind, und jedes Kind trägt das selbe auffällige Feuermal wie der Vater am Rücken.

False Doctrine

  • Steward Ezekiel ist sich inzwischen sicher, dass es in Gottes Willen liegt, viele Kinder zu zeugen. Das Konzept der Ehe scheint ihm untergeordnet wichtig.
  • Bruder Josiah ist der Meinung, das Gott ihn als Geschenk an die Frauen auserwählt hat.

False Priesterhood

  • Steward Ezekiel predigt den Indianern in seiner Missionsarbeit seine neue Vorstellung des Glaubens. „Seid fruchtbar und mehret Euch!“ steht über allen anderen Gesetzen.

Sorcery

  • Steward Ezekiel hat einen nahezu hypnotischen Einfluss auf die Mountain People. Sie hören ihm gerne zu, und er kann sie dazu bringen Dinge für ihn zu tun.

Hate & Murder

  • Hebamme Dahlia hat die Kinder ihres eigenen unehelichen Sohnes zur Welt gebracht und ihre Herkunft sofort erkannt. Um ihren Sohn zu schützen und ihr Geheimnis zu wahren, hat sie die Kinder unmittelbar nach der Geburt getötet.
  • Die Farmer hassen Josiah, der immer wieder ihren Frauen und Töchtern schöne Augen macht.

What do the People want?

  • Steward Ezekiel will Vater werden, um jeden Preis.
  • Hebamme Dahlia will ihr dunkles Geheimnis wahren, koste es, was es wolle.
  • Bruder Josiah sucht nach der Frau, die ihm genug Geborgenheit schenkt und ihn an sich bindet.
  • Die Farmer wollen Josiah aus der Stadt vertreiben.

What do the demons want?

  • Die Dämonen wollen die Durchsetzung der neuen Ideen des Stewards und damit offene, freie Sexualität und die klare Abkehr vom König des Lebens. Alternativ sind sie aber auch mit Zwietracht, Neid, Eifersucht und daraus resultieren Hass, Gewalt und Mord zufrieden. In der jetzigen Situation können die Dämonen fast nur gewinnen.

What would happen if the Dogs didn’t come?

  • Steward Ezekiel verliert sich immer mehr im Bestreben nach Kindern. Er predigt immer offener gegen die Ehe. Die Farmer ziehen sich immer mehr zurück und wenden sich schließlich von ihm ab.
  • Bruder Josiah wird immer mutiger und macht keinen Hehl aus seinen Interessen. Der Steward sieht in ihm die Verkörperung des neuen Ideals und preist ihn als einen Propheten.
  • Hebamme Dahlia tötet mehr und mehr Kinder ihres Sohnes. Sie verliert das Vertrauen der Farmer, die sie schließlich als Hexe bezeichnen.
  • Eines Tages kommt es während eines harten Winters zur Revolte gegen den Steward, die Hebammen und Josiah, die von einem Lynchmob gehängt werden. Die Indianer greifen zu spät ein, um ihren „weißen Häuptlingssohn“ zu retten, aber bei den Kämpfen kommt es zu einem Blutbad. Die Stadt hört auf zu existieren, versprengte Flüchtlinge versuchen an anderen Orten die Geschehnisse zu vergessen.
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Kommentare zu: "Dogs in the Vineyard: Die Stadt Saron" (6)

  1. Eine abgewandelte und vereinfachte Version habe ich am vergangenen Wochenende als OneShot gespielt. Insgesamt erwies sich die Stadt als vermutlich zu komplex und ich musste rasch die Beziehungen der NPCs und deren Motive vereinfachen. Dennoch haben meine Spieler mich gleich ganz am Anfang kalt erwischt und in einem heißen Rededuell dem Steward seine Unfähigkeit deutlich gemacht und damit den Lauf der Ereignisse maßgeblich verändert.

  2. Tobias schrieb:

    Nette Stadt, aber ich hab da ein paar Fragen:

    Dahlia ist vierzig, Red Hawk dreissig und ihr gemeinsamer Sohn zwanzig? So ganz passt das doch nicht.

    Was ist an den „Injustices“ denn ungerecht? Bei der zweiten sehe ich es ein, da leiden die Kinder. Welche Auswirkungen haben denn die Zweifel Ezekiels auf andere Gemeindemitglieder, welche die „Liebesabenteuer“ Josias?

    Wen hat Dahlia schon umgebracht?

    Und wie ist das Verhältnis zwischen Steward, Häuptling und Indianern? Was hält der Häuptling, von dem der Steward ja abhängig ist, davon, dass dieser seine Leute zu bekehren versucht?

    • Ich hatte ein anderes Bild der NPCs im Kopf als der Text es hergab, ich habe die Altersangaben mal überarbeitet und die Injustices deutlicher gemacht. Dahlia hat eine vom jeweiligen Spielleiter festzusetzende Anzahl an Kindern ihres Sohnes umgebracht.

      Das Verhältnis zwischen Steward, Red Hawk und den Indianern habe ich bewusst nicht beschrieben. Je nachdem wie die Spieler agieren kann man an dieser Schraube also frei drehen, entweder fügt man einen weiteren Konflikt zwischen der Stadt und den Indianern ein oder man lässt die „Mountain People“ den merkwürdigen Steward mit offenen Armen empfangen.

      Vielen Dank für Deine Hinweise, ein in meinem Geist völlig klares Setting ist eben doch nicht für außen stehende sofort zu erfassen. Ich hoffe mit den Änderungen ist es klarer.

  3. Erstmal vielen Dank für die Spielrunde. Es war sehr angenehm mal Dogs aus Spielerperspektive genießen zu können. 🙂

    Ich denke es war eine gute Idee die Stadt zu vereinfachen. Selbst in einer regulären Runde würde es sehr lange dauern, bis man als SL die gesamte Geschichte des Niedergangs aufgerollt hat. Der Hintergrund scheint mir schon einen Tick zu verwoben und verstrickt. Ich will mir gar nicht vorstellen wie man das im Spiel offenlegen soll, ohne sich immer wieder in Missverständnisse und Irrtümer zu verrennen.

    Von den Beschreibungen her, hätte ich vielleicht einige Dinge auf eine andere Stufe gestellt. Vor allem weil ich die Sin Progression gerne auch als lineares Ansteigen an Schrecklichkeit nutze. So haben die Spieler auch einen impliziten Leitfaden wie sich das Ganze in der Gemeinde hochgeschaukelt haben muss.

    Rückblickend fällt mir auf, dass es keinen Bewohner/NSC gibt, der den Dogs die Wahrheit sagen würde. Ich glaube, dass ist gerade bei einer ersten Runde sehr schwierig. Zu schnell verliert man da als Spieler den Boden unter den Füßen und muss sich irgendwas zusammenspinnen. Und gerade das ist bei Dogs eigentlich Gift. Wenn die Spieler nicht wissen was die Wahrheit ist, dann können sie auch nicht wirklich ihrer Aufgabe nachkommen. Womöglich hat das auch dazu beigetragen, dass wir zu Beginn (und auch später noch) etwas ziellos waren.

    • Minotaure schrieb:

      Ich weiß nicht, ob angelogen zu werden, wirklich so ein Problem ist. Hat man genug verschiedene Lügen, läßt sich damit durchaus arbeiten, bis man dem Kern der Wahrheit zumindest nahe kommt.

      Das würde dann aber voraussetzen, dass man die Lügen, auf die man nicht selbst stößt, aktiv präsentiert bekommt – z.B. in Form von (falschen) Beschwerden. Hat man nur eine Handvoll Aussagen, die sich nicht im Wesentlichen widersprechen, bleibt einem eigentlich nur, auszuwählen, welche einem glaubwürdig erscheint, und diese dann für bare Münze zu nehmen.

      • Ich weiß nicht. Ich finde der Wahrheit „nahe kommen“ ist bei Dogs unzureichend. Wenn ich zum Beispiel D&D spiele, will ich auch nicht der tatsächlichen Entfernung zu einem Gegner „nahe kommen“ oder mir aus den möglichen Identitäten eines Monsters, die aussuchen, die ich für plausibel halte. Den Spielern die Wahrheit zu vermitteln ist bei Dogs so essentiell, wie bei D&D die präzise und richtige Beschreibung eines Kampfschauplatzes oder eines Gegners.

        Letztendlich hast du natürlich recht, dass man bei Dogs diese Dinge aktiv präsentiert bekommen muss. So ist das auch vom Spiel gedacht und so steht es auch im SL-Kapitel. Der Kniff an Dogs ist weniger die Aufdeckung der Wahrheit als was man damit tut. Denn wie es bei Meinungsverschiedenheiten ja so oft der Fall ist, sind manche Leute oft und gerne faktenresistent.

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