Indie-RPGs und der Mainstream neu interpretiert

Warum ungespielt? 01/06

Vor ein paar Tagen habe ich eine kleine Inventur in meinem Rollenspiel-Regal gemacht und dabei festgestellt, dass ich den Großteil der Spiele noch nicht gespielt habe. In dieser Artikelserie möchte ich mich kurz mit jedem Titel auseinandersetzen und erklären, warum ich ihn bislang nicht gespielt und warum ich ihn überhaupt gekauft habe.

A Taste for Murder

Graham Walmsleys Spielleiterloses Erzählrollenspiel um einen Mord auf einem klassisch englischen Landsitz wartet nur auf den passenden Zeitpunkt. Ich habe schon zwei mal die wunderbaren Mörderische Dinnerparty an Freunde verschenkt und war dann ein wenig wehmütig, dass man sie nur ein Mal spielen kann und danach den Mörder kennt. Da kam mir dieses Indie-Rollenspiel gerade Recht, dass eine ähnliche Abendgestaltung mit immer neuem Ausgang ermöglicht.

Aberrant

Ich bin wie so viele andere Rollenspieler in Deutschland mit DSA „sozialisiert“ worden, doch bald stieg ich auf das ebenso regellastige Shadowrun um. Es war für mich wie eine Erlösung, als ich mit dem Storyteller-System von White Wolf bekannt gemacht wurde und mich immer mehr regelärmeren Spielen zu wandte. Auf der Suche nach einem passenden Science-Fiction-RPG stieß ich auf Trinity und darüber kam ich zu Aberrant. Letztendlich muß ich mir wohl eingestehen, dass ich gar nicht auf Supers stehe und es daher wohl nie spielen werde. Aber die Regeln, die Aufmachung und vor allem das praktische Format haben es mir nach wie vor angetan.

Aces & Eights

Mit dem Western ist es so eine Sache bei mir: Ich kann Western-Filme nicht ausstehen. Ich konnte dem nie etwas abgewinnen, hatte auch so weit ich mich erinnern kann keinen sonderlichen Spaß an Cowboy & Indianer-Spielen. Aber als Setting für ein Rollenspiel reizt mich der Wilde Westen schon sehr ;-). Dieses Regelwerk von Kenzer spricht mich unglaublich an, von der Gestaltung bis hin zu den „Mini-Spiel-Regeln“, aber ich werde wohl nie eine Gruppe finden, die Lust darauf hat und nie genug Zeit finden mich selbst so regelfit zu machen, dass ich es leiten könnte. Schade eigentlich!

Agon

John Harper hat mich mit seinem kostenlosen Mini-RPG „LadyBlackbird“ überzeugt, auch mal ein komplettes Werk von ihm auszuprobieren. Das gepaart mit Ouzo, warmem Schafkäse mit Oliven und 300 brachte mich zu Agon. Ich habe durchaus Lust auf ein so kompetitives Rollenspiel, aber bislang noch keine Gelegenheit gehabt, es mal zu probieren. Ich würde es aber nicht leiten wollen…

Airship Pirates

Im Gegensatz zum Rest des Welt finde ich Abney Parks Musik nicht sonderlich toll, aber die Idee von Luftpiraten und Steampunk in einem nett aufgemachten RPG gefiel mir. Ich muss aber einschränkend zugeben, dass ich noch ein paar andere „Victorian Age“ oder „Steampunk“ Rollenspiele habe und sie dennoch immer so weit unten auf meiner Prioritätenliste stehen, dass ich sie bislang nicht gespielt habe und auch die Chance dafür eher gering ist.

All for One: Regime Diabolique

Wieder ein Beispiel für meine untypische Kindheit: Ich konnte die drei Musketiere nicht ausstehen. Wirklich nicht. Aber jetzt finde ich das Mantel-und-Degen-Genre dafür um so besser. In einem Euphorie-Hoch nach einer sehr schönen Hollow-Earth-Expedition Runde habe ich mir dieses Ubiquity-Regelwerk ausgesucht um meine Rollenspiellust zu befriedigen. Und natürlich war Kurt wieder Schuld!


Nun muss ich nur noch meine französischen Sprachkenntnisse aufpolieren…

Alpha Omega

Hier haben wir das klassische Beispiel für einen Sammlerkauf. Mir war völlig klar, dass ich dieses sehr regel- und tabellenlastige, „oldschoolige“ RPG nie spielen würde, aber ich war neugierig auf die Hintergrundgeschichte und erfreue mich immer noch an der gelungenen Gestaltung.

Annalise

Der Weg zu diesem „Vampiergeschichtenerzählrollenspiel“ führte wie so oft über ein andere Rollenspiel des selben Autors, in diesem Fall das großartige Timestream von Nathan D. Paoletta. In Kombination mit einem Lulu-Gutschein verführte mich das zu einem Impulskauf. Annalise steht im Regal nahe der World of Darkness und wird dort stehen bleiben…

Ars Magica

Ein Freund sagte mir mal: „Es gibt zwei großartige Magiesysteme auf dem Rollenspielmarkt. Eine davon ist Mage, das andere Ars Magica.“ Ich war neugierig und habe mich zugegebenermaßen vom Mage-Titelbild abschrecken lassen. Außerdem wollte ich mal etwas anders als das Storyteller-System kennen lernen. Ars Magica wartet wohl weiterhin vergeblich auf einen Einsatz, denn es bringt eine große Hürde mit: Die wahre Brillanz entsteht erst in einer Kampagne, und für längere Kampagnen fehlt mir die Zeit und Geduld.

Ashen Stars

Auch Ashen Stars habe ich mir zugelegt, weil mich ein anderes Rollenspiel begeistert hat. In diesem Fall ist der Bogen von „Fear Itself“ vermutlich nicht mehr ganz nach zu vollziehen, aber beide beruhen auf dem Gumshoe-System. Dazu kommt meine latente Schwäche für Science-Fiction-Settings. Ashen Stars will ich unbedingt mal spielen, aber erst nach The Esoterrorists und Mutant City Blues, also vermutlich doch nie 😉

Atlantis Second Edition

Kurt ist schuld! Auf der Suche nach einem „anderen“ High-Fantasy-Setting abseits von EDO hat er mich zum Kauf verleitet (und das war gar nicht so einfach!).


Generell finde ich das Omni-System nicht schlecht und habe es mit Hellas auch schon erfolgreich gespielt, aber momentan gilt meine Fantasy-Aufmerksamkeit doch eher wieder Mittelerde.

Atomic Highway

Atomic Highway ist mir als PDF bei einem der Charity-Bundles von RPGNow untergekommen. Da ich von Zeit zu Zeit postapokalyptische Rollenspiele ganz witzig finde habe ich es mir drucken und binden lassen. Es dient – wie geplant – nur als Inspirationsquelle.

Barbarians of Lemuria

Die Diskussionen um BoL in den Rollenspiel-Foren waren so überschwänglich, dass ich einfach zuschlagen musste um mir selbst ein Bild zu machen. Naja, ist nicht so sehr meines.

Barbarians of the Aftermath

Auf der Suche nach weiteren Inspirationsquellen für ein postapokalyptisches Setting bin ich auf BoA gestoßen und habe es mir als Nachschlagewerk bestellt. Und genau das ist es auch für mich.

Blowback

Ja, ich gebe es zu, ich fand Burn/Notice manchmal ganz nett und außerdem ist das Titelbild einfach zu gut gewesen, um es nicht zu kaufen. Generell ist die „Spionage“-Ecke im Rollenspiel-Regal ja eher wenig besetzt, und dieses verspricht dazu noch wenig Regeln und Indie-Prinzipien. Ich habe auch schon einige Interessenten für eine Runde…

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Kommentare zu: "Warum ungespielt? 01/06" (3)

  1. 🙂 Das war für mich der vielleicht erhellendste Blogpost in den letzten drei Jahren. Danke.

    • Zuerst hielt ich es ja für Ironie, aber dann habe ich Deinen Blogeintrag gelesen. In gewisser Weise ist es schade – vor allem für jemanden wie mich, der gerne etwas Neues ausporbiert – aber natürlich hast Du nicht ganz unrecht: Tatsächlich sind die ganz „neuen Ideen“ eher selten und das Meiste wird sich sicher gut mit einem passenden Universalsystem abbilden lassen!

      • Nein, das war vollkommen ironiefrei und aufrichtig dankbar, wenn auch vielleicht von Dir nicht so beabsichtigt. Beim Lesen poppte bei mir die Frage im Hirn auf „Wann will er das alles spielen?“. Dann streifte mein Blick mein Regal, und mir wurde einiges klar. Ich kann max. zweimal im Monat spielen, von daher muß ich mich für Dinge entscheiden, die mir Spaß machen. Punkt. Vielleicht traurig, aber so ist das.

        Mich interessiert übrigens der Rest Deiner Liste und ich warte da gespannt drauf. Hier sind sogar zwei Sachen dabei, von denen ich noch nicht einmal gehört habe, und zumindest mal Reinschauen, dazu habe ich immer Zeit. 🙂

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