Indie-RPGs und der Mainstream neu interpretiert

Warum ungespielt? 03/06

Es ist Halbzeit für diese Artikelserie (Teil 1 und Teil 2) über die ungespielte Artikel in meinem RPG-Regal, und einige Male habe ich mich nun schon gefragt, was mich eigentlich genau beim Kauf geritten hat. Und mir wird immer klarer, dass ich mit meiner Einschätzung über die Verwendung meiner Neuerwerbungen gar nicht so schlecht bin. Richtig aus der Reihe fallen nur Rollenspiele, die mich wider Erwarten enttäuscht haben, und glücklicherweise kann ich die (noch) an einer Hand abzählen.

Exalted

Ein weiteres Beispiel dafür, dass sich selbst in meinem Regal noch Änderungen ergeben: Ich habe mich von Exalted getrennt. Ursprünglich fand ich die Idee eines Highest-Fantasy-RPG sehr reizvoll, Charaktere die als Halbgötter wirkliche Mover und Shaker sind. Exalted versprach genau das, dazu hatte ich Gefallen sowohl am Storyteller-System als auch an den Trinity/Aberrant/Adventure-Multiverse gefunden. Exalted schien perfekt zu passen. Doch als es per Post ankam reichte mir eigentlich ein Blick ins Buch schon aus. Manga! Igitt!!!

Free Market

Sollte ich das überhaupt als Rollenspiel zählen, oder ist das schon ein Gesellschaftsspiel im Sinne eines Brettspiels? Wenn ich es so sehe, dann wäre aber vermutlich WarHammer Fantasy in der aktuellen Edition auch raus, also bespreche ich es hier. Was hat mich an Free Market gereizt? Zuerst einmal zwei Namen: Luke Crane und Jared Sorensen. Beide haben mir wunderbare Indie-RPGs beschert, die mich lange beschäftigt und mir viel Freude gemacht haben. Als zweites kommt die Aufmachung, das nette comicartige Design, die schönen Tokens, die Box, der ganze Krams. Und natürlich das Setting! Was mich bislang am Spielen gehindert hat ist die recht hohe Einstiegshürde. Ich vermute, dass ich sehr viel Spaß damit haben würde, aber bislang konnte ich mich nicht durchringen die Regeln zu verstehen.

Ganakagok

Extreme Settings reizen mich, und ein extrem kaltes und dazu noch düsteres um so mehr. Dazu noch ein auf Tarotkarten basierendes freies Erzählsystem.  Das hörte sich einfach zu verlockend an, also habe ich es bestellt. Und damit begann das Problem, denn ich habe nur das Regelbuch erhalten, die Tarotkarten waren vergriffen. Ich habe versucht, sie gebraucht zu kaufen, habe überall danach gesucht und dann letztendlich die Lust an dem Spiel verloren. Bis gerade eben!!! Denn beim verfassen diese Artikels habe ich noch mal einen Blick auf die Webseite des Spiels geworfen und dort ein PDF mit den Karten gefunden. Nun muss ich die nur noch auf Spielkarten drucken lassen und dann kann es losgehen!

Herr der Ringe CODA

Meine Bewunderung für Tolkiens Werk habe ich ja schon bekundet, daher verwundert es nicht, wenn ich immer auf der Suche nach dem passenden Rollenspiel bin. Und nachdem der Hype nach Peter Jacksons Verfilmung des „Herr der Ringe“ abgeklungen war, kam ich günstig an ein Paket mit allen auf Deutsch erschienen Produkten dieser Reihe. Wie man sich denken kann war ich von den Regeln weniger begeistert, aber als nettes Nachschlagewerk ist es durchaus geeignet. Ich weiß nicht, ob ich wirklich damit gerechnet habe es mal zu spielen.

Hearts & Souls

Maßgeblichen Anteil an der Kaufentscheidung hatten (wieder einmal) ein LuLu Coupon und der gute Kurt!

Dabei war mir schon irgendwie bewusst, dass ich nicht so auf Helden stehe, die die Unterhose über der Strumpfhose tragen. Aber ich habe es wohl wieder einmal verdrängt, sehr zu meinem Nachteil. Denn ich werde es sicher nicht spielen und die Druckqualität ist so unglaublich schlecht, dass ich es auch kaum mit Genuss lesen kann. Das war meine letzte Bestellung bei LuLu!

High Valor

Und schon wieder schlägt Tim Kirk zu! Ich habe mir von diesem eher düsteren Low-Fantasy Setting mit deutlichen Wikinger-Anleihen ein paar Ideen für mein eigenes „nordisch“ inspiriertes Setting erhofft und bekommen. Aus diesem Grund habe ich mich bislang kaum mit den Regelmechanismen beschäftigt, aber in diesem Bereich erwarte ich ein grundsolides Konzept mit ein paar innovativen Ideen. Vielleicht spiele ich es sogar irgendwann mal, aber ich habe es mir nicht zu diesem Zweck gekauft.

hollowpoint

Entscheidend für den Kauf waren gleich mehrere Punkte? Einerseits ist die Tagline des Spiels nahezu unschlagbar: „Bad people killing bad people for bad reasons.“ Auf der anderen Seite ist da noch ein Spielerlebnis. Nach einer für mich sehr gelungenen Runde Fiasco äußerte Georgios Bedenken, dass das ganze oft in eine zu heftige, böse Richtung eskalieren würde. Mein Wunsch galt aber mehr einem System, dass noch böser ist, das noch brutalere Geschichten generiert. Ich vermute, dass ich das Vergnügen noch in diesem Jahr haben werde!

Hot War

Ich habe ja schon über Cold City berichtet, und Hot War kommt vom selben Autor und schlägt in die selbe Kerbe: Monster in einem urbanen Setting einer alternativen post WWII Vergangenheit. Dazu kommt wieder eine wundervolle Gestaltung und kontinuierlicher Nachschub an Material. Ich würde das wirklich gerne einmal spielen, aber erst nach einer Runde Cold City.

Houses of the Blooded

Wieder einmal ist es zuerst einmal der Autor, der mich auf das Spiel aufmerksam gemacht hat – John Wick ist ein Urgestein des Rollenspielmarktes und gleichermaßen geliebt wie gehasst. Auch Kurt hat dazu seine Meinung!

Zusätzlich hat mich aber auch die Design-Prämisse gefallen, ein „Gegenentwurf“ zu D&D war meiner Meinung nach schon länger fällig. Bislang habe  ich nur sporadisch rein geguckt, realistisch gesehen wird es mir auf längere Zeit an einer Gruppe fehlen, die darauf Lust hat.

How We Came To Live Here

Ich habe dieses Rollenspiel ohne großartiges Nachdenken und ohne vorherige Recherche gekauft, weil mich ein Rollenspiel in der Lebens- und Erlebenswelt der nordamerikanischen Ureinwohner reizte. Dazu kam noch eine isolierte Information: In diesem Spiel ist die Wahl des Geschlechts nicht nur eine Frage des Stils sonder Teil der Spielmechanik und es grenzt sich damit schön vom heutigen „Wir sind alle gleich“-Trend ab. Ich muss aber zugeben, dass es mir unglaublich schwer fällt darin zu lesen. Ich weiß nicht, ob es eine Frage des Stils ist, aber ich komme mit dem Buch einfach nicht klar. Geht es jemandem anders oder genau so?

Inspectres

Nach dem unglaublichen Spaß, den ich mit Lacuna hatte, ist mir ein Spiel von Jared Sorensen immer einen Versuch wert. Wenn ich nur halb so viel Spaß beim Spielen wie beim Lesen habe, dann ist es eine sehr gute Investition gewesen, vor allem wenn man den geringen Preis in die Betrachtung mit einbezieht. Kaufgrund war aber viel mehr die Empfehlung eines Rollenspielers, der sonst nicht unbedingt meinen Geschmack teilt, dafür aber ein gutes Händchen und viel Spielerfahrung hat. Ich habe es bislang nur nicht gespielt, weil ich an den passenden Runden nicht teilnehmen konnte.

Jaws of the Six Serpents

Nachdem immer wieder von PDQ als „das bessere FATE“ gesprochen wird, habe ich mich zum Kauf hinreißen lassen. Aber irgendwie hat es nicht Klick gemacht, weder mit dem Regelsystem, noch mit der Welt. Ich kann nicht erklären wo genau das Problem liegt. Vermutlich hat es auch etwas mit dem Zeitpunkt des Kaufs zu tun, eine gewisse Sword & Sorcery-Übersättigung kann mich davon abgehalten haben, es ins Herz zu schließen. Vielleicht sollte ich es noch einmal irgendwann in der Zukunft lesen. Aber bei einem bin ich mir recht sicher: Ich werde es nicht spielen.

Justifiers

Ahh, Fehlkauf! Welch ein Schrott. Die Idee anthropomorpher Tiere als „Expeditions-Söldner“ hat mich fasziniert, dazu noch das als besonders „einfach“ und „innovativ“ gepriesene Universal-Abenteuer System… Was soll ich sagen – ich hätte vorher mal reinlesen sollen, dann wäre mir das nicht passiert. Wenn nämlich Autoren von IMHO gleichermaßen uninspirierten und schlechten Fantasy-Romanen ins Rollenspiel-Genre expandieren, dann kann dabei ja nichts gutes rauskommen. Vielleicht ist das Spiel gar nicht so schlecht, aber schon die „In-Character“ Einleitungstexte lassen mich würgen!

Kindred of the Ebony Kingdom

Als das „Ende der alten World of Darkness“ sich abzeichnete, habe ich versucht, mir die Sahnestücke zu erhalten. Mir war aber schon damals klar, dass es sich um nette Lektüre und Inspirationsquellen handeln würde. In so fern bin ich mit dem Kauf sehr zufrieden, afrikanische Vampire sind noch mal eine ganze Nummer verstörender als die „Normalvampire“.

Legends of Anglerre

FATE erschien sicher nicht nur mir eine Zeit lang wie die Lösung aller Rollenspielprobleme, doch es fehlte irgendwie an guten Ideen, um klassisches Fantasy umzusetzen.

Ich bin noch nicht dazu gekommen, mir wirklich ein Bild darüber zu machen. Zumindest ist es nicht ganz so dick wie das Schwesterprodukt Starblazer Adventures, aber es ist dennoch eine epische Sammlung an Regeln und Setting. Wie bei den anderen FATE-Spielen fehlt es mir an Energie, Zeit und Mitspielern, denn ich möchte das nicht als OneShot sondern als Kampagne anlegen…

Legend of the Five Rings 4. Edition

Natürlich könnte ich wieder sagen, dass mich John Wick als ehemalige Autor auf das Spiel gebracht hat, aber eigentlich stimmt es nicht. Und auch wenn mich ein pseudohistorisches Japan auch als Setting interessiert war auch das nicht ausschlaggebend für den Kauf. Die Wahrheit ist: Das Buch sah einfach toll aus! Wenn jemand mal eine Runde in meiner Nähe anbietet bin ich sicher dabei, aber eigentlich dient das Buch primär zum drin blättern und sich satt sehen. Und wenn man es genau nimmt: Die kleine Schrift und der oft geringe Kontrast machen es eh schwierig zu Lesen…

Lesser Shades of Evil

Warum sollte jemand mit einer bekannten Abneigung gegen komplexe Regelsysteme sich genau dieses Regelmonstrum kaufen? Kurt ist schuld!

Auch in diesem Fall war mit klar, dass ich es nicht spielen würde, aber die Hintergrundgeschichte und Weltbeschreibung ist so außergewöhnlich und toll, dass ich nicht widerstehen konnte. Wie geplant inspiriert es mich immer wieder, beflügelt meine Fantasie und dient als Bettlektüre.

LodLand

Und noch ein Fehlkauf aus deutscher Produktion. Eigentlich kann man mit so einem Setting ja wenig falsch machen: Die Menschheit hat sich in die Tiefen des Ozeans zurückgezogen um einer Umweltkatastrophe zu entgehen. Aber was macht LodLand falsch? Alles! Das Layout ist grässlich, von Design kann nicht die Rede sein, die Illustrationen sind auf dem Niveau schlechter Hobby-Zeichner, die Texte langweilig. Und das Schlimmste: Was ist so cool daran, in der Tiefsee zu leben? Genau, die Tiefsee! Was ist also besonders uncool? Wenn die ganze Welt nur drinnen stattfindet. Wie auch immer, es steht in meinem Regal und wird nicht angetastet. Vielleicht findet sich irgend wann einmal eine Idee darin, die ich für Blue Planet benutzen kann.

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