Indie-RPGs und der Mainstream neu interpretiert

Warum ungespielt? 04/06

Langsam aber sicher nähert sich diese Artikelserie dem Ende (Teil 1, Teil 2, Teil 3), noch ein Artikel und danach die große Zusammenfassung. Und wieder einmal habe ich hier eine handvoll Rollenspiele, die ich gerne spielen würde, die ich nie spielen wollte oder die mich einfach nur enttäuscht haben. Manchmal frage ich mich, ob ich der einzige bin, der aus ziemlich unnachvollziehbaren Gründen Rollenspiele zum Kauf auswählt…

Mars Colony

An diesem Spiel haben mich zwei Dinge gereizt: Es ist für zwei Personen konzipiert und ich hatte es schon als PDF aus einem Hilfsbundle. Da ich aber nur mit echten Büchern für’s Rollenspiel etwas anfangen kann, habe ich es bei ePubli drucken lassen und bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis – kein Vergleich zu LuLu. Natürlich habe ich es auch weiterhin als PDF auf dem iPad, sollte ich also mal in der Bahn oder sonst wo Lust darauf bekommen, kann ich gleich durchstarten.

microscope

Epische Geschichten über Jahrhunderte lang verfolgen, dabei nicht an Zeit und Raum gebunden sein, settinglos, spielleiterfrei, kurz, Indie – ungefähr so könnte man microscope wohl zusammenfassen. Und genau das hat mich angesprochen, auch wenn mir völlig bewusst war, dass ich eigentlich keine Gruppe habe, die so etwas gerne spielen möchte. Zu meiner Schande muss ich dann sogar gestehen, dass ich es bislang nur überflogen habe, weil es immer im Schatten anderer zeitgleich angeschaffter Rollenspiele stand. Und ich vermute ernsthaft, dass mir der „Charakter-Aspekt“ fehlen würde. Geplant hatte ich damit eigentlich eine „Highlander“ Variante, aber ich bin mir nicht sicher, ob das gut funktionieren würde.

Mummy: The Resurrection

Zwei Dinge haben mich zum Kauf dieses Produkts verführt. Zuerst der Wunsch, die „Core Rulebooks“ der alten World of Darkness komplett zu haben, als sich diese Produktlinie den Ende näherte. Und natürlich die schlechten aber inspirierenden „Mummy“ Filme. Dazu kommt noch eine Kurzkampagne, die ich mal für V:tM geleitet habe und die im alten Ägypten begann, da bot sich ein „Tie-In“ irgendwie an, es ist aber nie dazu gekommen. Und so ziert es nun mein oWoD-Regal und setzt Staub an (oder Wüstensand…)

Orpheus

Hier reizten mich gleich mehrere Aspekte. Als erstes gefiel mir die Idee einer limitierten Serie mit festem Metaplot. Dann gefiel mir die Settingidee, Geister einmal aus einem anderen Blickwinkel zu beleuchten. Ich schweige mich über den Inhalt aus, aber mir hat es gut gefallen. Ich habe aber wieder einmal gar nicht geplant es einmal zu spielen. Oder vielleicht doch? Das Problem bleibt immer das Gleiche: Wenn man den Metaplot kennt, verliert es an Reiz.

Orx: Nasty, Brutish & Short

Strahlende Helden sind eine feine Sache, gebrochene Helden sogar noch besser, aber doch mit Abstand am spannendsten ist es, die Bösewichte zu spielen. Und was liegt da näher, als den Prototypen der finsteren Reihen zu spielen, den gemeinen Ork. An diesem Rollenspiel reizte mich vor allem eben dieser Aspekt. Doch als ich es den in den Händen hielt und durchgelesen hatte, wurde mir rasch klar, dass ich vermutlich keine Gruppe dafür finden würde und vermutlich auch keinen Spaß daran haben könnte, denn es ist vermutlich ZU kompetitiv für meinen Geschmack…

Over the Edge

Robin D. Laws ist einer meiner favorisierten Rollenspielautoren, denn er hat schon recht früh den Wechsel von Regelungeheuern hin zu schlanken, das Erzählen und Erleben unterstützenden Rollenspielen vollzogen. Over the Edge ist sicherlich einer der Vorreiter dieser Ideen, und dazu noch ein einem fantastischen Setting angesiedelt, dass vor Ironie nur so sprudelt. Aber im Vergleich mit „moderneren“ Systeme wie FATE verliert Over the Edge ein wenig an Reiz, es wirkt dann doch ein wenig zu einfach, ohne gleichzeitig die Eleganz anderer ganz simpler Systeme zu haben. Der Kauf war daher auch nicht als wirkliches Spiel gedacht sondern dient als Nachschlagewerk und Settinginspiration für andere Spiele.

Part Time Gods

Wieder einmal ist das Kickstarter-Fieber teilweise kaufentscheidend gewesen. Und auch wenn der Autor schon andere Rollenspiele publiziert hat waren es weder meine Erfahrungen mit diesen Systemen, noch war es Kurt.

Hauptgrund für den Kauf war die erst kurz zuvor erfolgte Lektüre von Neil Gaimans American Gods und der damit verbundene Wunsch, ein Rollenspiel in dieser Welt anzusiedeln. Doch als ich das Buch dann in den Händen hielt wurde mir rasch klar, dass es deutlich regelreicher und komplizierte als von mir erwartet und erhofft war, und damit wird es wohl erst einmal im Regal stehen bleiben.

Pirates of the Spanish Main

Warum dieses Rollenspiel bislang ungenutzt in meinem Regal steht kann ich mir kaum erklären. Gekauft habe ich es mir in „Pirates of the Caribbean“-Fieber (der erste Teil war meiner Meinung nach einer der schönsten Filme der letzten Jahre).

Und was kann daran schon falsch laufen. Savage Worlds als Regelwerk scheint sich gerade anzubieten, das Setting ist cool, es gibt tonnenweise leicht einzubindendes Quellenmaterial im Internet, es gibt tolle Musik zur Hintergrundberieselung, es gibt zahlreiche Filme mit Anregungen für Abenteuerideen. Wie gesagt, ich habe keine Ahnung, warum es noch ungespielt ist!

Poison’d

Quasi als Gegenentwurf zu der schönen Savage Worlds Welt ist dieses Mini-Rollenspiel von Vincent Baker in meinem Regal. Es gibt meiner Meinung nach keinen zweiten Rollenspielautor wie Vincent Baker, der mit seinen Ideen und seiner pragmatischen Herangehensweise einige der besten Rollenspielsysteme der letzten Jahre entworfen hat. Bei diesem speziellen Spiel bin ich mir noch nicht  ganz sicher. Denn auch wenn ich heftige  Geschichten mag ist doch ein zu viel an roher Gewalt und Brutalität nicht ganz meines, und Poison’d verspricht einiges davon. Trotzdem würde ich es gerne einmal ausprobieren, am liebsten auf einer Con und mit Mitspielern, die ich nicht wiedersehe…

Polaris / Thou Art But A Warrior

Ich habe Polaris gekauft, weil ich die Idee der Verflechtung spezieller Phrasen mit Regelmechanismen sehr interessant fand, anscheinend generiert man damit ja direkt kleine Geschichten. Hauptkaufgrund war also eine innovative Regelmechanik, die aber auch der Haupthinderungsgrund zum Spielen ist: Ich kann mir nicht vorstellen, wie man das sinnvoll übersetzt benutzen soll. Oder anders herum gesagt: Ich bin zu faul und unfähig um das Regelwerk so nett zu übersetzen, dass ich Lust hätte, es zu spielen…

Reign

Sogar als großer Fan von Greg Stolzes One Roll Engine brauchte ich lange, bis ich mich zum Kauf der Fantasy-Variante durchringen konnte. Ausschlaggebend war wohl vor allem, dass mit dem Reign Enchiridion eine preisgünstige und von dem etwas anstrengende Setting getrennte Regelausgabe auf den Markt kam. Doch ein wenig später entdeckte ich das wunderbare One Roll Engine Toolkit und hatte irgendwie keinen Bedarf nach den Original-Regeln mehr. Natürlich sind ein paar wunderbare Regelmechanismen in diesem Buch enthalten, doch bislang habe ich sie nicht wirklich gebraucht.

Rêve: The Dream Ourboros

Fehlkauf, vermutlich jedenfalls, denn ich bin so abgeschreckt von der Druckqualität die LuLu da abgeliefert hat und so verstört, dass sich Coverillustration und die Bilder im Buch selbst so in der Qualität unterscheiden, dass ich es nur kurz durchgeblättert habe. Ich weiß nicht so genau, was ich dazu sagen soll, vermutlich tue ich dem Werk unrecht, es ist ja in Frankreich extrem populär, aber ich kann damit nichts anfangen.

Ruby

Hier zeigt sich die ganze Idiotie meines Denkens! Ich habe Ruby gekauft, weil ich mit Summerland bereits ein anders Rollenspiel vom Autor Greg Saunders zu Hause habe (ebenfalls ungespielt), und dass obwohl ich eigentlich überall nur schlechte bis mäßige Kritiken finden konnte. Nun ja, was soll ich sagen, die Kritiker hatten vermutlich recht: Die Idee ist gut, die Umsetzung könnte gut sein, aber dafür müsste man das Buch auf weniger als die Hälfte kürzen. Kurzum: Ein fähiger Editor wäre von Nöten. Schade eigentlich! Aber es liest sich nicht schlecht, wenn man nicht vorhat, damit wirklich zu spielen.

RuneQuest II

Ich fasse mich kurz: Generisches Fantasy-System in stilvoller Aufmachung. Kunstledereinbände. Klares Layout. Einfache (und uralte) Regeln. Sieht toll im Regal aus. Aber mal ehrlich, ist Euch BRP nicht auch zu langweilig? Es ist ein klassisches Ansichtsexemplar, die Tabellen sind eine schöne Inspirationsquelle für andere Systeme, und natürlich braucht man es für Deus Vult (oder sagen wir mal, es ist einfacher damit). Aber ich habe nie wirklich mit dem Gedanken gespielt es mal anzubieten. Ein wenig verärgert bin ich nun aber doch über den all zu raschen Schwenk zu „Legend“…

Scion

Scion war ein Experiment für White Wolf und die Prämisse von nur drei(!) Büchern in der Serie hat mir gefallen. Dazu noch die reizvolle Idee von vergangenen Göttern und ihren Günstlingen, die sich langsam bis zu Göttern hoch arbeiten. Die Mechanik des Story-Teller Systems lag mir auch, hört sich nach einem ziemlich sicheren Erfolg an.

Wie so häufig steckt der Fehler dann aber im Detail. Ich will nicht meckern, aber aus drei Bücher wurden dann doch neun, insgesamt doch eine ganze Menge Lesestoff. Und obwohl ich weiterhin Lust darauf hätte, werde ich es vermutlich eher als „Quellenbuch“ für Part-Time Gods benutzen, falls mir der Sinn danach stehen sollte.

Shaintar: Immortal Legends

Ein alternatives High-Fantasy-Setting für Savage Worlds hat mir zum Kaufzeitpunkt gerade in den Kram gepasst. Und Kurt hat so davon geschwärmt.

Als ich dann die Print-Version in den Händen hielt war ich maßlos enttäuscht. Ein ziemlich billiger Schwarz-Weiß-Druck, unsauberer Randbeschnitt. Hmpf. Das hat mir einen gehörigen Dämpfer verpasst! Und so bin ich von dem Plan abgekommen, es einmal zu Spielen, und lese statt dessen lieber die Designnotizen. Ja, ich bin ein oberflächliches Arschloch, ein Rollenspielprodukt auch nach dem Äußeren zu bewerten, aber so bin ich nun mal. Denn Rollenspiele sind nun mal mein Hobby, und das will ich mit Liebe gemacht sehen! Dazu braucht es keine teuren Zeichner, es geht auch minimalistisch, mein Regal ist voll von guten Beispielen (Lacuna, Inspectres, Fiasco – um nur mal drei zu nennen).

Skulduggery

Dieses Rollenspiel sprach mich dadurch an, dass es den Fokus weg von der klassischen Betonung von Kampf und Körper hinzu einem eher auf soziale Konflikte ausgelegten Spiel legen sollte. dazu bin ich ein Fan von Robin D. Laws Systemen, sowohl HeroQuest als auch die Gumshoe-Engine haben es mir angetan. Und tatsächlich liest sich das Buch tolle, die Regelmechanismen sind innovativ und clever. Aber es gibt einen riesigen Nachteil: Wer nicht die vorhandenen Szenarien spielen möchte, der wird viel Arbeit investieren müssen, und davor scheue ich mich bislang.

Sorcerer

Ron Edwards ist eine gleichermaßen verehrte wie verachtete Gestalt unter den Rollenspielautoren, und egal was man von ihm hält, er hat wie kein anderer dazu beigetragen, den Weg für kleine selbstpublizierte Systeme zu ebnen. Mein Kauf ist daher auch in gewisser Weise symbolisch zu sehen. Aber natürlich wollte ich auch wissen, was es mit diesem so legendär gewordenen Werk auf sich hat. Spielen wollte ich es eigentlich nicht…

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Kommentare zu: "Warum ungespielt? 04/06" (3)

  1. Ich glaube du machst dir bei Poison’d einen zu großen Kopf. Genau wie man das Abreißen eines Pflasters im Vorhinein für viel schlimmer hält als es tatsächlich ist, hält es sich auch bei Poison’d mit der Gewalt.

    Es stimmt natürlich, dass Gewalt in angedeuteter, angesprochener oder sogar ausgeübter Form bei Poison’d gelegentlich präsent ist, aber das unterscheidet das Spiel kaum von jedem anderen Rollenspiel in einem kriminellen Millieu. Bei Poison’d muss man auch nicht mehr oder extremere Gewalt erwarten als bei einer TV-Serie wie The Sopranos.

    Wenn die Spieler in der Gruppe der Versuchung nicht widerstehen können sich in absurde Gewaltexzesse zu ergehen, weil „das Spiel das ja so will“… dann sollte man dafür die Spieler und nicht die Regeln verantwortlich machen.

    • Ich mache mir weniger Sorgen um die gewaltverherrlichende Wirkung des Spiels, sondern mehr darüber, dass ich Leute mit denen ich sonst gerne spiele vielleicht auf eine unangenehme Weise anders kennen lerne. Darum eben meine kleine Einschränkung, das lieber auf einer Con auszuprobieren…

      • Ich weiß nicht wie du auf „gewaltverherrlichend“ kommst. Schon gar nicht, dass Poison’d als Spiel eine solche Wirkung hätte. Schließlich sind wir ja mittlerweile in dem Alter in dem wir im Normalfall mit erwachsenen und mündigen Mitspielern unser Hobby ausüben. Da würde ich irgendwelche Beschreibungen fiktiver Vorgänge nur wenig Bedeutung beimessen.

        Und selbst wenn ich der Meinung wäre, dass man durch ein Rollenspiel irgendwelche greifbaren Einblicke in die Persönlichkeiten seiner Mitspieler bekommen würde, müsste man dann doch erst recht mit Leuten spielen, die man kennt. Denn sonst fehlt einem doch völlig der Kontext um das Verhalten der Mitspieler richtig einzuordnen und zu deuten.

        Wie dem auch sei… ich werde Poison’d auf jeden Fall auf dem Burg-Con anbieten. Das passt da ja auch gut rein. Vielleicht kannst du dir dann mal ein umfassenderes Bild davon machen.

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