Indie-RPGs und der Mainstream neu interpretiert

Der Würfelheld hat in seinem Gewinnspiel um die Erschaffung eines „kulinarischen NSCs“ für ein Fantasy-Setting gebeten, da konnte ich nicht widerstehen und habe mitgemacht. Und tatsächlich sogar den Gewinn, das Rezeptbuch „From the Sands of Dorne“ abgestaubt. Ich werde von meinen Kocherfahrungen berichten, hier aber erst einmal mein Beitrag über den „Gustator“ einen reisenden Feinschmecker ohne Gewissen und mit einer Mission! Ich war so frei und habe noch eine vierte Interaktionsmöglichkeit hinzugefügt, die mir erst später eingefallen ist, der Originalbeitrag hatte nur die erste drei…

Der Gustator

Beschreibung und Auftreten

Der Gustator ist ein Mensch mittleren Alters und von eher durchschnittlicher Statur. Er kleidet sich in dicht gewebte Stoffe in erdfarbenen Tönen, die er in mehreren Lagen um sich gewickelt hat. Sein Gesicht verbirgt er hinter einem Schal, sein Kopf ist stets mit einer Mütze bedeckt. Seine Augen sind tiefblau und aufmerksam, doch er hat weder Augenbrauen noch Wimpern. Sollten die Spielercharaktere ihn jemals ohne seine Kleidung zu Gesicht bekommen, dann sehen sie Haut, die in langen Falten vom Leib hängt, schlaff und voller Risse, wie zu sehr gedehntes Leder, und das völlige Fehlen der Körperbehaarung.

Er wirkt sehr ruhig und zivilisiert, spricht mit Bedacht und wenigen, sorgfältig gewählten Worten. Seine Bewegungen sind sparsam und effizient, man merkt ihm aber vor allem unter Belastung chronische Schmerzen und eine eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit an. Er ist weltgewandt, polyglott und schwer aus der Ruhe zu bringen. Furcht oder gar Angst scheinen ihm fremd zu sein, man kann ihn auch mit körperlicher Gewalt nicht beeindrucken. Obwohl er stets höflich, zuvorkommend und anerkennend ist, bleibt er auch kompromisslos und schwer zu überzeugen. Er kann Emotionen nur für Geschmackserlebnisse aufbringen, Mitgefühl fehlt ihm vollständig, er ist aber durchaus in der Lage, sich emphatisch in andere Menschen zu versetzten und diese Erkenntnisse zu seinen Gunsten zu benutzen. Seine Ziele verfolgt er zielstrebig und ohne Rücksicht auf Verluste.

Auffällig ist ein nahezu zwanghaftes Verhalten, alle ihm übergebenen Dinge nahe an das Gesicht zu führen, um den Geruch zu prüfen. Meist versucht er das verdeckt zu tun und kaschiert es als optische Prüfung, doch aufmerksame Beobachter erkennen die abgewendeten Augen und das verräterische Bewegen der Nasenflügel. Oft leckt er sich danach die Fingerspitzen ab, um eine Geschmackseindruck zu bekommen, auch dies geschieht unterbewusst und durch andere Gesten verschleiert.

Hintergrund

Einst reicher Handelsmann einer traditionsreichen Adelsfamilie entstammend hat sich der Gustator ein beträchtliches Vermögen beim Handel mit seltenen Mineralien erarbeitet. Sein großspuriges, unangenehm lautes Auftreten, seine regelrechten Fressorgien und seine Maßlosigkeit waren weithin bekannt, doch aufgrund seiner Wichtigkeit wurde es zähneknirschend hingenommen. Doch eines Tages änderte sich alles. Ein Gehirntumor wuchs langsam aber beständig in ihm und verursacht eine seltene Form der Epilepsie, die mit minutenlanger Abwesenheit und geschmacklichen Halluzinationen einhergeht. Der erste Anfall dieser Art prägte sein weiteres Leben  maßgeblich. Nachdem seine vertrauten Heiler nach mehreren kräftezehrenden Behandlungen mit giftigen Tinkturen zwar den Krankheitsverlauf verlangsamen konnten, ihm aber auch alle Haare ausfielen und er nur noch ein Schatten seiner Selbst war, liess er sich für tot erklären, um nur noch einem Zeil nachzugehen. Er ist nun beständig auf der Suche nach den Zutaten und der Zubereitungsart, die ihm den Geschmackseindruck vermitteln kann, den er während seiner Anfälle hat. Er selbst bezeichnet dies als „Das Königsrezept“. Aus seinem ausschweifenden Verhalten wurde ein bescheideneres Leben, stetig auf der Suche nach neuen Geschmacksereignissen. Unter falscher Identität bereist er jetzt die bekannte Welt und über die Grenzen der erforschten Wege hinaus die Wildnis, lebt von seinem beträchtlichen Vermögen und hofft bis zum Ende seines Lebens das Rezept zu finden.

Interaktionsmöglichkeiten

  • Der Gustator kann als klassischer Auftraggeber ins Spiel gebracht werden, der die Abenteurergruppe aussendet, um eine bestimmte Zutat (oder vielleicht einfach den Koch) aus einer für ihn zu gefährlichen Umgebung zu holen. Neben der üblichen Bezahlung könnt er auch Informationen von seinen Reisen oder seltene Gewürze und Geschmackserlebnisse anbieten. Mehr Spielraum für spannende Erlebnisse brächte es aber, wenn die Spielercharaktere ihn nur begleiten und beschützen sollen, während er sich selbst auf die Suche macht…
  • Der Gustator kann auch das Ziel eines Abenteuers sein, wenn die Spielercharaktere von einem Mittelsmann beauftragt werden, den verschollenen geheimnisvollen Reisenden aus den Fängen seiner Häscher zu befreien. Dabei kann es sich (langweilig!) um den ortsansässigen Oberbösewicht handeln, spannender wäre es aber, wenn er in legitimierter Justizgewalt steckt, ergo im Kerker unter der Burg des regionalen Regenten.
  • Vielleicht stoßen die Charaktere auch auf den Leichnam des Gustators und sein Tagebuch, in dem er detailliert von seiner Suche berichtet und das genügend Hinweise enthält, um das Königsrezept endlich zu vollenden. Reichtum und Ehre winken demjenigen, der diese Meistertat vollbringt und die Abenteurer müssen nur noch eine kleine Zutat beschaffen und sich dann genau an die Anweisungen halten. Idealerweise kombiniert man so etwas dann mit einem Kochwettbewerb am Hofe eines Adligen, in einem solchen Fall ist der Gustator sicher keines natürlich Todes gestorben und die Konkurrenz ist zu allem bereit und im Umgang mit scharfen Küchengeräten geschult!
  • Besonders morbide wäre es, wenn der Gustator – aus welchen Gründen auch immer – einen der Spielercharaktere als wichtige Zutat betrachten würde, vielleicht nicht gleich im Ganzen. Ein halber Liter Blut, die Fingernägel der Ringfinger, eine Tasse voller Tränen, ein faustgroßes Stück der Leber. Für so eine Zutat ist er bereit, viel zu bezahlen, und so ist der betroffene Charakter plötzlich im Zentrum des Interesses der Mittel- und Morallosen. Der einzige Weg dem zu entkommen ist entweder den Gustator von der Wertlosigkeit der Zutat zu überzeugen oder ihn aus dem Weg zu räumen…
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